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Mobile Datsche für die Uckermark
Entwicklung eines mobilen Gartenhauses für eine Kleingartenanlage.
   
 
produced in Berlin
In Bearbeitung ist die Architektur für eine Ausstellung im Herbst 2011 in Düsseldorf.
   
 
BMA 2000
 
Konzeption der Ausstellungsarchitektur für die Ausstellung BMA 2000 im Neuen Aschaffenburger Kunstverein.
 
Idee, Konzept und Realisation: Markus Wirthmann
Veranstalter: Neuer Aschaffenburger Kunstverein
Zeitraum: 13. Juli bis 3. September 2000
Teilnehmende Künstler: Bettina Allamoda, Manuel Bonik, Dominic Eichler, Holger Friese, (e.)Twin Gabriel, Undine Goldberg, Joachim Grommek, Rémy Markowitsch, Carsten Nicolai, Gunter Reski, Ralf Ritter, Albrecht Schäfer, Nada Sebestyén, Susanne Stövhase, Anatolij Shuravlev, Ulf Wetzka, Markus Wirthmann und Heinz E. Wohlrab
 
Anatolij Shuravlevs früherer Lieblingstrick, um mich aufzuziehen, war es zu behaupten, dass wir alle aus der Kleinstadt in eine große Stadt (Berlin) gekommen seien, nur er sei aus der Stadt (Moskau) in ein Dorf (Berlin) gekommen. Das hat immer geklappt, ich wurde jedesmal empfindlich. Unsere Herkunftsorte sind denn auch - soweit ich das bei BMA2000 überblicke - wirklich Kleinstädte: Aschaffenburg, Chemnitz, Hagen, Kiel, Leipzig, Luzern, Wolfsburg usw. usw., eben die "Pampa" (Remy Markowitsch), wovon sich einzig Moskau leuchtend abhebt. Gottseidank sagen die Russen aber auch: St. Petersburg ist eine europäische Stadt und Moskau ein zu groß geratenes Dorf.
 
Jedenfalls bringt uns Markus Wirthmann jetzt nach Aschaffenburg. Ich weiß, dass Aschaffenburg Bayern ist, obwohl das nur auf einen mir augenblicklich entfallenen Lapsus in der territorialen Aufteilung der Region zurückzuführen ist und Markus Wirthmann nicht bayrische Mundart spricht. Ich weiß auch, dass Markus Wirthmann im dortigen Kunstverein das Projekt "Aschaffenburg. Ein Stadtmodell" realisiert hat. Der Künstler baute mit seinen alten Freunden in einem mehrtägigen Prozess ein Modell seiner Heimatstadt nach. Der äußeren Form nach war "Aschaffenburg. Ein Stadtmodell" als gigantischer Sandkasten angelegt. Und so haben sich nach der Projektanordnung von Markus Wirthmann die Jungs und Mädels von früher noch einmal auf dem Spielplatz getroffen und mit Hilfe des Stadtmodells als Mnemotechnik die frühen Jahre rekapituliert. Ein wesentliches Element dieses Projekts ist also das Prozesshafte und das Emotionale, das durch die Akzentuierung des gemeinsamen Erinnerns auch einen Reflex auf die "Art of Memory" wirft.
 
In der aktuellen Kunstproduktion sind Elemente aus der Kinder- und Spielplatzwelt nicht selten: Rutschen (Höller), Plüschtiere (Kelley), Bonbons (Gonzales- Torres) oder Legosteine (Libera), bereits diese Aufzählung zeigt, dass das Element des Spielerischen, der Sandkastenwelt, eine bewährte Möglichkeit der Verführung zum Einstieg in das Werk ist. Was Markus Wirthmann in dem Projekt "Aschaffenburg. Ein Stadtmodell" tatsächlich mit sanfter Ironie thematisiert, sind die im Kunstkontext zirkulierenden Diskurse von "Topographie", "Territorium", "Zentrum" und "Peripherie". Ich kenne Aschaffenburg nicht, aber ich sah in den Dokumentationen des Projekts eine neue Topographie: ein aus Ansichtskarten zusammengesetztes, dreidimensionales Modell des Aschaffenburger Schlosses, eine im Maßstab viel zu massig geratene Akkumulation von Wirtshäusern, ein falsch geknicktes Flussknie des Main. Und weil Landkarten und Stadtmodelle ideologische Konstrukte sind, gibt Markus Wirthmann seinen Freunden und sich selbst die Möglichkeit des re-writings der eigenen Geschichte der Stadt und der Kindheit.
 
Jetzt hat Markus Wirthmann wieder ein Projekt für Aschaffenburg initiiert. Auch die in BMA2000 vorkommenden Berliner Kulturtreibenden sind, so wie ich das sehe, mit Markus Wirthmann freundschaftlich verbunden, und überhaupt, die meisten kennen sich untereinander irgendwie. Diese Tatsache empfinde ich als für den Projektzusammenhang absolut zentral. Allein, man lernte sich zu einer Zeit kennen, als man schon den Spielplätzen entwachsen war und den Kunstbetrieb und seine engere Umgebung als Betätigungsfeld betreten hatte. Es gibt also daher keine gemeinsame Vergangenheit, der gedacht werden müsste. Und gegenwärtig gehören die Künstlerinnen und Künstler diversen, divergierenden In-Groups mit verschiedenen Etabliertheitsgraden innerhalb der Berliner Kunstszene an und pflegen verschiedene Diskurse. Die Schnittstelle zwischen ihnen ist also von etwas "Privatem", der persönlichen Bekanntschaft untereinander, getragen ("Privat" und "Öffentlich" - auch ein aktueller Diskurs), sie werden aber "öffentlich" unter dem allseits in Ausstellungsprojekten verbreiteten "Berlin"-Label im musealen Rahmen präsentiert. Interessant sind für mich dabei die innerhalb der Gruppe der Projektteilnehmer zu Tage getretenen Motivationen, die als Differenz von Privatem / Prozesshartem / Emotionalem und Öffentlichem / Ergebnisorientiertem / Diskursivem zu Tage treten: Bei einigen herrscht der Wunsch vor, die Konzeption des Projektes kritisch zu diskutieren, die anderen sind sich mit einer "Solidarität von Kleinkriminellen" (Gunther Reski) darüber einig, dass - Konzept hin oder her - diese Gelegenheit zur Teilnahme an einem "Berlin"-Projekt so gut sei, wie jede andere, und wieder andere nehmen teil, weil sie Markus Wirthmann mit großer Sympathie betrachten. Dies alles führte mitunter zu derartigen Irritationen, dass man das Gefühl gewinnen konnte, man sei mit der Parallelklasse, in der man sich ganz und gar nicht auskennt, auf Klassenreise geschickt worden. Es scheint also, dass in BMA2000 Privates veröffentlicht wird, aber auch eine Privatisierung des Öffentlichen stattfindet. Denn das im üblichen Ausstellungskontext (mitunter vorgeblich) vorhandene objektivierbare Konzept bzw. die Kriterien für Künstler- und Werkauswahl bleiben im Dunkeln. Vielleicht sind sie im Ergebnis des gesamten Prozesses enthalten, so dass sie erst in Aschaffenburg selbst offensichtlich werden. Ja, es war sogar davon zu hören, dass der Berliner Architekt Heinz Wohlrab durch den Ausstellungsraum einen Mauer ziehen wird. Werden die Ausstellungsteilnehmer also zwei Lager bilden? Warten wir's ab...
Markus Wirthmann
   
 
Für die Galerie - Dealing with art
 
Konzeption und Realisation der Ausstellungsarchitektur in Partnerschaft mit dem Kölner Architekten Thies Marwede für die Künstlerwerkstatt Lothringer Strasse, München.
 
Idee, Konzept und Realisation: Christian Gögger, Justin Hoffmann, Maribel Koeniger, Rainer Metzger
Veranstalter: Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Ort: Künstlerwerkstatt Lothringer Strasse in München
Zeitraum: 21. März bis 25. April 1992
Teilnehmende Galerien und Künstler:
AMERICAN FINE ARTS, New York, mit Peter Hopkins
GALERIE DES BEAUX ARTS, Brüssel, mit Peter Duka
GALERIE LUIS CAMPANA, Frankfurt a.M./Köln, mit Tobias Rehberger
GALERIE TANJA GRUNERT, Köln, mit Yskender Yediler
THE LIVING ROOM, Amsterdam, mit Nour-Eddine Jarram
GALERIE CHRISTIAN NAGEL, Köln, mit Fareed Armaly und Christian Philipp Müller
STUX GALLERY, New York, mit Lawrence Carroll
GALERIE ANNE DE VILLEPOIX, Paris, mit Sylvia Bossu und Jean-Baptiste Bruant
ZWINGER GALERIE, Berlin, mit Ueli Etter
 
Es hat den Anschein, als verliefe das System der Kunst auf zwei Ebenen der Präsentation. Die Großveranstaltungen aktueller Kunst in Museen, Kunsthallen, Städtischen Galerien und Kunstvereinen finden auf der oberen, die kleinen und mittleren Ausstellungen in den Galerien auf der unteren Ebene statt. Den überwältigenden Mammutschauen der hehren Kunst stehen die engagierten Verkaufsaktivitäten des Kunsthandels gegenüber. Doch das Bild trügt.
 
Die Bedeutung der Kunstgalerien für die Großveranstaltungen der Kunst ist in Fachkreisen unbestritten, wird aber nach außen hin meist verborgen. Oft kokettieren diese Schauen auf verlogene Weise mit dieser Relevanz, indem sie nur die bekannten Koryphäen des Kunsthandels feiern. Die Bedeutung der Galerien für die Entwicklung der Kunst des 20. Jahrhunderts ist bisher nicht ausreichend erkannt, eine Geschichte der Kunstgalerien noch nicht verfasst. Doch die Zeit scheint reif für einen Ausstellungstypus, der jene Stränge zwischen Künstler, Kunstwerk und Galerien auf eine adäquate Weise sichtbar macht. Dieses strukturelle Modell bildet auch die Grundlage für das Konzept der Münchner Ausstellung "Für die Galerie - dealing with art" in der Künstlerwerkstatt Lothringer Straße. Dabei werden Galerien und Künstler nicht wie auf Messen nach ökonomischen Gesichtspunkten, sondern nach inhaltlichen Kriterien miteinander in Verbindung gebracht. Dieser neue Ausstellungstypus geht davon aus, dass es kaum einen wichtigen Künstler gibt, der nicht schon durch die Vermittlungsinstanz einer Galerie gegangen ist, bevor er auf den Großveranstaltungen gezeigt wurde. Der topographische Wechsel in die Kunsthallen und Museen findet dann meist mit beträchtlicher zeitlicher Verzögerung statt. Die Ausstellung "Für die Galerie - dealing with art" ist jenen Galerien gewidmet, die sich durch ein besonderes Engagement für ihre Künstler auszeichnen und diese im besten Sinne des Wortes vertreten. Die Qualität einer Galerie lässt sich nach dem Verständnis der Ausstellungsmacher nicht am Umsatz ablesen, sondern vielmehr an ihrem Wagemut, ihrer geistigen Flexibilität und ihrer Durchsetzungskraft. Das schließt natürlich nicht aus, dass eine Galerie wie auch ein Künstler auf dem Kunstmarkt sehr erfolgreich sein können.
 
Der Ausstellungstitel birgt zwei Wortspiele in sich. Die doppelte Bedeutung, die in den Wörtern "dealing with art" liegt, spielt auf die janusköpfige Natur der Galerie an, die Kunst einerseits zu bewerten und zu fördern, andererseits als Ware anzubieten hat. Der Galerist muss sich sowohl durch ausgezeichnete Kenntnisse in den geistigen Strömungen der Zeit als auch durch finanzielles Gespür auszeichnen und so die heikle Synthese von Ökonomie und Kunst vollziehen.
 
Der deutsche Ausdruck "Für die Galerie" wird in der Sprache des Sports verwendet, wenn ein Aktiver über seine zum Leistungsnochweis notwendige Handlung hinaus durch elegante Gestik beeindruckt. Er bezeichnet ein ästhetisches Verhalten jenseits von Funktionalität. Entsprechend versucht "Für die Galerie - dealing with art" durch Einfallsreichtum und besondere Aktivitäten aus dem Ausstellungsprogramm der Künstlerwerkstatt herauszufallen. Hierzu gehört eine zu diesem Anlass geschaffene Umgestaltung der Räume und damit eine Klärung der architektonischen Situation, die richtungsweisend für weitere Umbauten in der Lothringer Strasse sein sollte. Im Katalog, der in dieser Form sicherlich ein ungewöhnliches Buchprojekt darstellt, kann sich jede Galerie eigenverantwortlich in Text und Bild präsentieren. Der Kompilationsgedanke wird sich also auch im Katalog fortsetzen. Verschiedene Kräfte aus unterschiedlichen Bereichen sollen darin zusammengeführt werden. "Für die Galerie - dealing with art" bekräftigt die Tendenz, dass Themenausstellungen ihre Homogenität und ihre Überblicksfunktion verloren haben. Wie jüngste Beispiele belegen, sind an ihre Stelle "Versammlungsausstellungen" getreten, die vorwiegend noch Kriterien der Quantität zusammengestellt scheinen. Da aber weder das willkürliche Sammelsurium, noch ein krampfhaftes Festhalten an bestimmenden Kategorien gefragt sind, ist nach neuen, adäquaten Ausstellungsformen Ausschau zu halten.
 
"Für die Galerie - dealing with art" wurde von drei Kunstkritikern, Justin Hoffmann, Maribel Königer, Rainer Metzger und dem Galeristen Christian Gögger konzipiert. Mit ihr wird aktuelle, internationale Kunst nach München geholt - sicherlich für die "Kunststadt München" kein alltägliches Ereignis. Mit der Einladung auswärtiger Galerien an diesen Ort verzichtet man als "Gastgeber" bewusst auf eine Beteiligung Münchner Galerien, gleichgültig ob sie nach den subjektiven Kriterien der Ausstellungsmacher in das Konzept gepasst hätten. Es wäre für das Ausstellungsprojekt ein Erfolg, könnte es eine anschauliche, aktuelle Synopse von solch unterschiedlichen Faktoren des Kunstsystems wie Produktion, Promotion und Kritik entwerfen.
Die Herausgeber
 
Zur Ausstellung erschien ein Buch bei Edition Cantz.