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| 7 Momente im Frühling |
| Die zwölfteilige
Serie Siebzehn Augenblicke eines Frühlings, 1968 für
das russische Fernsehen, nach den Romanen von Julian S. Semjonow,
gedreht, spielt im Zeitraum Februar-März 1945. In Berlin beginnt
sich der innere Kreis um Hitler Gedanken zu machen, was werden soll.
"Standartenführer der SS Max Otto von Schtirlitz", der eigentlich
Maxim Isaev und Russe ist, erhält den Auftrag aus Moskau, herauszubekommen,
ob und wer aus Hitlers Umgebung mit dem amerikanischen Geheimdienstchef
Dulles über einen Separatfrieden verhandelt. Nach Außen
also den perfekten Nazi mit erfolgreicher Karriere gebend, lässt
Agent "Schtirlitz" die Verhandlungen in Bern scheitern, spielt mit
Kalkül Gestapo und SD gegeneinander aus, rettet heldenhaft eine
Verbindungsagentin mit gleich zwei Säuglingen auf dem Arm und
das alles, während er ständig Gefahr läuft, enttarnt
zu werden. Besonders "Gruppenführer Müller" ist ihm auf
den Fersen. |
| Das Geheimnis
der Serie mag darin bestehen, das die Gegner des russischen Meisterspions
nicht als billige Chargen agieren. Selbst Hitler (dargestellt von
DDR-Schauspieler Fritz Dietz), ist hier unaufdringlich und unaufgeregt
dargestellt. Und Wjatscheslaw Tichonow, spielt den Agenten "Schtirlitz"
mit einem Blick von solch durchdringender Melancholie, dass tatsächlich
keine Garantie besteht, dass er die Serie überlebt. Mit der selben
Hingabe schlüpften auch die anderen namhaften sowjetischen Schauspieler
in ihre Rollen, dass man förmlich ihnen den Spaß ansieht,
den sie dabei hatten. Wo Nazi-Figuren im Film üblicherweise eindimensional
böse Pappkameraden sind, die eben sehr schnell zum Lachen reizen,
erscheinen sie in den Siebzehn Augenblicke eines Frühlings als
kompliziere Negativ-Charaktere mit ihren eigenen seelischen Abgründen.
Der düstere Existentialismus der Hauptfiguren prägt die
ganze Serie und ist damit sehr von Geist der sechziger Jahre geprägt.
Das eigentlich Spannende der Inszenierung ist der sich unfreiwillig
einstellende Effekt: Ganz in kontrastreichem Schwarz-Weiß und
langsamer Dramaturgie wird unter dem Deckmantel der ideologischen
Unbedenklichkeit der Faszination der Nazi-Accessoires gefrönt.
Kaum je sind die langen Mäntel aus glänzend-schwarzem Leder,
die "schmissigen" Uniformen mit hohen Stiefeln und verspiegelten Kragen,
die engen Lederhandschuhe, die einzeln vom Finger gezogen werden müssen,
die Auf- und Abtrittsrituale inklusive Hitlergruss so wild-romantisch
in Szene gesetzt worden. Wo sonst häufig Monumentalarchitektur
oder prunkvoller Innendekor faschistische Dekadenz illustriert, sind
hier die Kulissen nur Ausschmückung sozusagen im Stil der Neuen
Sachlichkeit gehalten und der Film konzentriert sich auf seine Darsteller. |
| Die Existentialromantik
wird in dieser Reduktion noch verstärkt. Die Handlung besteht
fast ganz aus gewichtigen Männergesprächen, denen die allgemeine
Atmosphäre der Ausweglosigkeit die nötige Würze verleiht.
Und es wird viel ausdrucksstark geraucht und bedeutungsvoll in schwere
schwarze Telefonhörer hineingelauscht und dazwischen gibt es
lange Einstellungen von schweigenden Männergesichtern, die dem
drohenden Zusammenbruch fest ins Auge blicken. In diesen Momenten
übernimmt es eine verhalten-dunkle Erzählstimme aus dem
Off teils die Inneren ("Ich war nahe am Scheitern, dachte Schtirlitz"),
teils die äußeren Vorgänge zu erläutern ("Üblicherweise
trafen sie sich Mittwochs, doch heute war Montag"). |
| Erarbeitung
der Konzeption, gemeinsam mit der Übersetzerin Martina Mrochen
und der Galeristin Paula Böttcher, für eine Veranstaltungsreihe,
in deren Mittelpunkt der 1968 entstandene sowjetische Filmklassikers
"Siebzehn Augenblicke eines Frühlings" stand. |
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